Vor dem Selfie war das Selbstportät

Wie Kunstunterricht in der Grundschule Medienkompetenz fördert

Wer bin ich? – Früher und heute

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Albrecht Dürer: Selbstbildnis als Dreizehnjähriger (1484); Wien, Albertina

Seit der Renaissance gehört das Selbstporträt zum festen Genre-Repertoire der Kunstgeschichte. Der Künstler oder die Künstlerin versuchen dabei, dem eigenen Ich näherzukommen. Außer der Repräsentation spielt vor allem folgende Fragestellung eine bedeutende Rolle: Wer bin ich und wofür stehe ich? Inneres kommt dabei zu Tage, Äußeres wird in Szene gesetzt. Mittlerweile leben etliche soziale Netzwerke von der Selbstinszenierung und Zeigefreude der Menschen. Mit Selfies, Belfies (Bilder des eigenen Gesäßes), Footsies (Bilder der eigenen Füße), Drelfies (in betrunkenem Zustand) oder Relfies (mit Kussmund) sagt man der Welt „Hallo“ und zeigt sich bewusst nicht immer von seiner besten Seite. Doch wie bewusst ist man sich der Bildwirkung?

Schnell noch was hochladen

Einem fremden Menschen die eigene Kamera nicht mehr anvertrauen und lieber Selfies machen, dann aber mit wildfremden Menschen Bilder seiner intimsten Momente im Internet teilen – echt skurril, oder? Mit einem Klick wird das Foto gemacht, mit einem weiteren das Bild ins Netz gestellt. Mit entsprechendem Selfiestab gibt`s auch garantiert kein Doppelkinn mehr. Bleibt dabei aber genügend Zeit für Reflexion und notwendigen Selbstschutz? Viele Bilder beweisen das Gegenteil. Sie lösen beim Betrachter ein peinliches Berührtsein aus und im schlimmsten Fall müssen die dargestellten Personen mit heftiger Kritik rechnen. Auch diese wird blitzschnell und unreflektiert verbreitet. Nicht jeder kann damit umgehen.

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©colourbox

Mit Neuen Medien umgehen lernen

In einer Welt, in der uns tagtäglich solche Bilder begegnen, kann der Kunstunterricht einen Beitrag leisten, die Sinne der Kinder zu schärfen und sie für Bildaussagen bzw. Bildwirkungen sensibel zu machen. Damit Ihre Schüler dieser Bilderflut gewachsen sind, sollte Ihr Kunstunterricht nicht nur zur notwendigen Verlangsamung der Wahrnehmung beitragen, sondern auch Möglichkeiten der bedachten und verantwortbaren Selbstinszenierung anbieten.

Gefühlter und bewusster Selbstausdruck

Wie fühle ich mich, wenn ich dieses Bild sehe? Was empfinde ich genau, wenn ich wütend bin, und wie zeigt sich das in meinem Gesicht? – Geben Sie Ihren Schülern mit der Unterrichtseinheit Emotionale Selbstporträts zeichnen die Chance, in Fühlung mit sich selbst zu kommen, die eigene Mimik im Spiegelbild zu erforschen und nach Erkunden der Proportionen des Gesichts ein ausdrucksstarkes Selbstporträt zu zeichnen.

Direktes Feedback in geschützter Atmosphäre

Lassen Sie sich von den Kindern überraschen und staunen Sie über ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit. Mithilfe differenzierter Materialien von Einfach künstlerisch werden ihnen nämlich kleine Meisterwerke gelingen. Statt sich, wie inzwischen üblich mit dem Selfie auf eine virtuelle Kontaktaufnahme vorzubereiten, treten die Kinder im Rahmen einer Ausstellung in unmittelbaren Kontakt mit dem Betrachter und haben die Möglichkeit, in einer geschützten Atmosphäre die Wirkung ihrer Bilder zu erfahren und sich mit anderen Kindern darüber auszutauschen. So fördert künstlerischer Ausdruck nicht nur Selbst- und Fremdwahrnehmung, sondern auch Identitätsbildung und Selbstbewusstsein.

Das bin ich! – Schülerarbeiten aus den Klassen 3 und 4

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