Blockbuster und Bestseller im Lateinunterricht

Mit modernen Medien durch die Lektürephase

Mit Gratis-Material: Livius und die galaktische Republik

 

Nach dem Latinum beginnt mit der Lektürephase der vielleicht spannendste Teil des Lateinunterrichts: die Lektürephase. Obwohl das Fach Latein auf den ersten Blick oftmals wenig mit der Lebenswirklichkeit Jugendlicher zu tun haben scheint, ist es besonders nach dem Abschluss der Lehrbuchphase wunderbar möglich, mit Bezug auf aktuelle Themen die Kulturkompetenz zu fördern! Während ein Caesar, der seine Truppen zum hundertsten Mal ins Winterlager führt, ein Livius, der altbackene Werte propagiert oder ein Seneca, der philosophierend über das Spektakel der Gladiatorenspiele schimpft, für Lehrende wie Lernende gleichermaßen langatmig sein können, bieten moderne Medien einen schülernahen Zugang zum Lernstoff. Durch die Rezeption bekannter Filme, Comics und Bücher kann das Erfassen und Beurteilen von signifikanten Werten römischen Denkens viel einfacher gelingen – und durch Einbindung von Werken wie „Die Tribute von Panem“, „Star Wars“ und Co bieten Sie Ihrer Klasse nicht nur eine motivierende Abwechslung, sondern fördern auch das interkulturelle Lernen – wir zeigen Ihnen, wie!

RAABE-Blog_Unterricht_GettyImages-1269832694_1200x450_Latein© Maria Vonotna/iStock via Getty Images

Gallia est omnis divisa in partes tres ... Mit diesem legendären Satz lernen auch heute noch die meisten Schüler*innen Caesar offiziell im Lateinunterricht kennen. Dabei kennen sie ihn – vor allem durch die Comic-Reihe Asterix  – doch eigentlich schon lange. Warum also nicht das Bekannte mit dem Lernstoff verknüpfen? Mit unserem Unterrichtsmaterial zu Asterix geht Ihre Klasse der Darstellung im Comic anhand von historischen Quellen auf den Grund und klärt dabei nicht nur die Frage, ob Wildschwein tatsächlich das Leibgericht der Kelten war. Aber während die Lebenswelt von Asterix und Obelix einen offensichtlichen Bezug zur römischen Kultur hat, finden sich antike Motive auf den zweiten Blick auch in vielen anderen modernen Klassiker wieder: zum Beispiel in der Harry Potter-Reihe.

Antike Vorbilder: Von Neville Longbottom bis Senator Palpatine

Was haben Neville Longbottom und der römische Held Horatius Cocles gemeinsam? Nicht viel auf den ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung aber eine nahezu identische Personenbeschreibung durch Livius und eine heldenhafte Verteidigung einer Brücke: Longbottom hält die Gegner auf, ist verantwortlich für die Zerstörung der Brücke und damit Garant für den Weiterbestand der Gemeinschaft der Zauberer und Hogwarts in Freiheit. Im Vergleich von Horatius Cocles und Neville Longbottom lernt Ihre Klasse so auf besondere Weise das Beurteilen maßgeblicher Verhaltensnormen römischen Denkens.

„Es gibt keinen Anstand mehr, nur noch Politik. Die Republik ist nicht mehr das, was sie einst war. Der Senat ist voller gieriger, geschwätziger Delegierter; kein Interesse mehr am Allgemeinwohl.” Ein Zitat aus Livius' Werk ab urbe condita, richtig? Nein. Senator Palpatine aus der Star Wars Saga. Überraschend ähnlich, oder? Hier findet das römische Dekadenzmodell seine moderne Entsprechung in der Star Wars-Reihe: Anhand ausgewählter Szenen lassen sich bei der Betrachtung der Sequenzen in arbeitsteiliger Gruppenarbeit der Aufbau des galaktischen Staatswesens, seine Entwicklung und die im Film erkennbaren Ursachen hierfür erarbeiten. Mit unserem Gratis-Material Livius und die galaktische Republik schaffen Sie so einen besonderen Zugang zur praefatio.

 

 

Die Tribute von Panem – die Allzweckwaffe im Lateinunterricht

Ein besonders facettenreiches Beispiel für die moderne Rezeption antiker Vorbilder stellt „Die Tribute von Panem“ dar – beginnend mit der Namensgebung. Der Name des dystopischen Staates „Panem“ nimmt den berühmten Vers aus Juvenals zehnter Satire auf, die „panem et circenses“. Aber es gibt noch weit mehr und vielfältigere wie tieferreichende Bezugnahmen. Hier ergeben sich Einsatzmöglichkeiten bei deutschlandweit abiturrelevanten Autoren wie Livius, Seneca, Augustinus, oder auch Ovid.

So baut – ähnlich wie bei Star Wars – ein Grundkonzept der „Tribute“ auf einem exemplum aus ab urbe condita auf. Dies ermöglicht den Lernenden nicht nur eine motivierende Heranführung an die Liviuslektüre, sondern auch die besondere Perspektive durch ein modernes Medium. Hier lässt sich gerade durch den Vergleich mit der als Anführerin der Rebellen stilisierten Katniss Everdeen die besondere Zielsetzung der moralisierenden livianischen Geschichtsschreibung erkennen. 

Bereits zu Beginn der Reihe wird deutliche Kritik an der Verschwendungssucht und oberflächlichen Dekadenz der Gesellschaft der Hauptstadt im Vergleich zu den verarmten Menschen der anderen Gebiete geübt. Im Vergleich mit Senecas epistulae morales wird ersichtlich, wie zeitlos diese Kritik ist. Das augenfällig zentrale Thema der Film- und Buchreihe ist die mediale Manipulation der Bevölkerung durch (brutale) Spiele, „ludi circenses“, die deutliche Parallelen zu den römischen Gladiatorenspielen aufweisen. Darauf bietet neben Seneca auch Augustinus eine antike Perspektive. In der Unterrichtseinheit zur Seneca und Augustinus über die „Hunger Games“ finden deshalb sowohl die epistulae morales als auch de civitate dei moderne Bezüge in „Panem“.

Auch die Figur der Katniss Everdeen selbst ist ein Prima antiker Vorbilder – lässt sich in ihr vielleicht sogar eine moderne Artemis finden? Die Referenzen in dieser Figur sind vielschichtig und bieten dadurch eine spannende Möglichkeit, kompetenzorientiert Ovids bekannte Metamorphosen wie die der Diana, Daphne, Callisto, oder Atalante zu übersetzen und zu interpretieren.So findet sich rund um Die Tribute von Panem ein wahres Füllhorn an Material für den Lateinunterricht zu klassischen und neuen Abiturthemen von Bayern bis Schleswig-Holstein und darüber hinaus.

Echte Liebe oder nur eine perfekte Täuschung?

Nicht nur die Protagonistin der Hunger Games bietet eine vergleichende Perspektive auf Ovids Werk. Im Film „Her“ (2013) verliebt sich der Joaquin Phoenix als Protagonist Theodore in die Stimme seines personalisierten Betriebssystems, das sich zu Beginn selbst den Namen Samantha gibt. Die Grenzen von Künstlichkeit und Wirklichkeit verschwimmen – eine Erfahrung, die in jüngster Zeit durch den bereits spürbaren und in aktueller Prognose zunehmenden Impetus von künstlicher Intelligenz (KI) im Alltag unserer Gesellschaft für immer mehr Gesprächsstoff, Hoffnungen und Ängste sorgt. Hier eröffnet das Pygmalion-Epyllion ein „Spielfeld“ zur Diskussion und Reflexion verschiedener Konzeptionen von Liebe und Beziehungen zwischen Menschen, ausgehend von verschiedenen Kunstformen.

Von Nachrichten bis Social Media

Anlass für eine moderne Auseinandersetzung müssen nicht immer der Fiktion entspringen, auch Headlines aus der Tagesschau können Ihren Weg in den Lateinunterricht finden. So postulierte Augustinus schon vor ca. 1600 Jahren einen Gottesstaat. Vergleicht man seine Argumentation mit den Inhalten des IS, ist auf den ersten Blick erschreckend, dass einige Ähnlichkeiten in den Argumentationsweisen bestehen – auch in der Theologie und Ethik: Wann darf ich jemanden töten? Was erwartet uns nach dem Tod? Kann also Augustinus in die Ecke von Salafisten und Extremisten gestellt werden? Diese Frage klärt unsere Unterrichtseinheit IS und Augustinus: Der Gottesstaat.

Auch die heute omnipräsenten Sozialen Medien eignen sich für die Einordnung historischer Werke in einen aktuellen Kontext. So bietet sich beispielsweise Tibulls elegische Liebesdichtung als Basis für ein produktionsorientiertes Portfolio-Projekt an, das sich in seinem Layout und seinem methodischen Fundus an „Facebook“  orientiert. Im Rahmen einer Unterrichtssequenz oder in einer selbstständigen Projekt- oder Freiarbeit heißt es dann: #Tibull hat seinen Beziehungsstatus geändert.

Moderner Lateinunterricht leicht gemacht

So zeitgemäß kann Unterricht in einer vermeintlich „toten Sprache“ sein! Trauen Sie sich, kreativ zu werden und überraschen Sie Ihre Oberstufe mit Bezügen zu aktuellen Filmen, Nachrichten oder Medienformaten. Unsere komplett ausgearbeiteten Unterrichtsmaterialien für Latein bieten Ihnen dabei die perfekte Unterstützung. Mit modernen Medien zeigen Sie nicht nur die Relevanz von Latein und antiken Vorbildern für moderne Autoren, Texte und Kulturen auf, sondern schaffen eine ganz besondere Motivation für Ihrer Schüler*innen – ihr Lernerfolg wird Sie überzeugen!

 

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