Leseförderung mit der Spatzenpost – ein Interview mit Christine Reiter

14.07.2026
8 Minuten
Grundschule

Wie kann nachhaltige Leseförderung im Grundschulalltag gelingen? Im Interview spricht Christine Reiter über wirksame Konzepte für den Leseunterricht, die Herausforderungen heterogener Lerngruppen und darüber, wie die Spatzenpost Kinder Schritt für Schritt zu mehr Lesekompetenz und Lesefreude führt.

Die Spatzenpost und Mini-Spatzenpost
Bild von Christine Reiter
Die Autorin: Mag.a Christine Reiter

Frau Reiter ist ausgebildete Grundschullehrerin mit langjähriger Unterrichtserfahrung, arbeitet derzeit an der Pädagogischen Hochschule Tirol im Institut für Primarpädagogik. Ihr Schwerpunkt liegt u.a. auf dem Leseerwerb sowie auf der Entwicklung praxisnaher Konzepte und Materialien für einen wirksamen Leseunterricht in der Grundschule.

Warum braucht es die Spatzenpost?

Ich bin selbst ausgebildete Lehrkraft und habe 25 Jahre an einer Brennpunktschule gearbeitet. Dort war es ganz normal, dass Schüler:innen unterschiedliche Entwicklungsläufe beim Lesen aufwiesen. Aus diesem Grund sind die Lesefähigkeiten in einer Klasse auch heterogen. In einer Klasse treffen wir auf unterschiedlichste Lesefähigkeiten: Einige Kinder kämpfen noch mit den grundlegenden Leseprozessen, andere sind Vielleser und benötigen viel Lesefutter, wieder andere lesen technisch gut, haben aber Schwierigkeiten beim Textverständnis. Gleichzeitig spielt vor allem im digitalen Zeitalter die Lesemotivation eine sehr große Rolle. Gut und gerne lesen hängt nämlich ganz stark zusammen. Es braucht also motivierende Zugänge, die die Kinder einerseits zum Lesen animieren und andererseits eine kompetenzorientierte Leseförderung ermöglichen.

Viele Lehrkräfte erleben die unterschiedlichen Lesekompetenzen in ihrer Klasse als große Herausforderung. Wie kann eine wirksame Leseförderung trotzdem gelingen?

Wirksame Leseförderung muss den Lernstand der Schüler:innen im Blick haben, weil nur so eine passgenaue Förderung möglich ist. Diese ist wiederum nur umsetzbar, wenn die Lehrpersonen differenzieren und unterschiedliche Textniveaus sowie Aufgabenstellungen anbieten. Diese Aufgaben stellen die Lehrkräfte teilweise vor erhebliche Herausforderungen bei der Unterrichtsgestaltung. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir damals mit der Konzeption der Spatzenpost begonnen haben.

Was erwartet Lehrkräfte und Kinder bei der Spatzenpost?

Das Schülermagazin beinhaltet neun monatliche Ausgaben. Zusätzlich gibt es ein MINT-Magazin für den Sachunterricht sowie ein Lesebuch für die literarische Bildung, in dem die Lernenden aktueller Kinderliteratur begegnen. Sowohl das MINT-Magazin als auch das Lesebuch können ganzjährig eingesetzt werden und bauen aufeinander auf. Ergänzend stehen Arbeitsblätter und Hörverständnisübungen zum Download bereit. Die Hörverständnisse können entweder mit dem Anybook-Audiostift oder direkt über QR-Codes im Heft genutzt werden.

Was zeichnet das Leseförderkonzept der Spatzenpost aus?

Unser Ziel ist es, Kinder beim Erwerb grundlegender Lesekompetenzen zu unterstützen. Deshalb setzt die Spatzenpost auf verschiedenen Ebenen an und bietet vielfältige Lesefördermaßnahmen. Im Lesetraining werden Lesefertigkeit, Lesegeläufigkeit, Textverständnis und Lesestrategien gezielt aufgebaut. Unser Leseförderkonzept basiert dabei auf drei Säulen: Lesetraining, Leseförderung und literarische Bildung. Meines Erachtens reicht es nicht aus, Lesestrategien nur punktuell zu erarbeiten. Es braucht einen kontinuierlichen Aufbau, eine schrittweise Einführung und regelmäßige Übungsphasen, damit das Erschließen von Texten für die Kinder ganz selbstverständlich wird. Genau diesen systematischen Kompetenzaufbau unterstützt die Spatzenpost. Die Kinder begegnen spannenden Geschichten und entwickeln Schritt für Schritt Freude am Lesen.

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Nachhaltige Lesekompetenz entsteht nicht allein durch Üben, sondern vor allem durch positive Leseerfahrungen.

Mag.a Christine Reiter

Wie lässt sich die Spatzenpost konkret in den Unterricht integrieren?

Als ich noch selbst im Unterricht gestanden habe, habe ich die Hefte auch bestellt. Wir haben sie ganz unterschiedlich eingesetzt. Manchmal haben wir gemeinsam gelesen, manchmal haben die Kinder in der Freiarbeit einen Text gelesen und anschließend darüber gesprochen. Teilweise waren die Texte auch Hausaufgaben, die später im Unterricht aufgegriffen wurden. Es ist ganz wesentlich, dass es immer wieder gemeinsame Lesephasen in der Klasse gibt. Gleichzeitig eignen sich die Magazine auch als zusätzliches Lesematerial für das selbstständige Arbeiten.

Viele Kinder erleben Lesen vor allem im Zusammenhang mit Noten. Warum ist es wichtig, den Blick auch auf die eigenen Fortschritte zu richten?

Es ist ganz wesentlich, dass Kinder bereits in der ersten Schulstufe lernen darüber nachzudenken, was ihnen schon gut gelingt. Wir wollen die Kinder zu einem selbstbestimmten Lernen hinführen und das gelingt nur, wenn sie ihre eigene Leistung wahrnehmen können. Deshalb gibt es in den Magazinen viermal pro Jahr die Möglichkeit den eigenen Leseprozess zu reflektieren. Im Wesentlichen geht es darum, dass die Kinder selbst über ihre Leistung nachdenken. Sie sollen abseits vom Notendruck ihre Fortschritte erkennen und dokumentieren. Dabei hilft auch positives Feedback der Lehrperson oder der Lesebuddys.

Was unterscheidet die Spatzenpost aus Ihrer Erfahrung von klassischen Lesetexten?

Meine Schüler:innen haben sich immer gefreut, wenn jeden Monat ein neues Heft kam. Ich habe ihnen dann im Unterricht etwa 20 Minuten Zeit gegeben, um darin zu blättern. Dabei habe ich ihre Freude gesehen und sie haben sofort angefangen zu lesen. Wenn ich hingegen Texte ausgedruckt hatte war die Reaktion eher: „Schon wieder Texte lesen.“ Bei den Heften waren sie dagegen wirklich motiviert.

Leseförderung, die Kinder begeistert

Mit der Mini-Spatzenpost für die 1.Klasse und der Spatzenpost für die 2.Klasse entdecken Kinder die Freude am Lesen – bunt, spannend und kindgerecht. Das Schülermagazin erscheint monatlich und basiert auf den erprobten drei Säulen der Leseförderung.

(Mini-)Spatzenpost-Zeitschriften, Anybook-Stift und Stiftung Lesen Siegel