Internationaler Frauentag im Unterricht: Materialien und Impulse für Lehrkräfte

16.02.2026
8 Minuten
Sekundarstufe

Den Blick weiten für Gleichberechtigung, Respekt und Vielfalt

Am 8. März steht jährlich ein Thema im Mittelpunkt, das trotz Fortschritte nach wie vor von großer Relevanz ist: der „Internationale Frauentag“, auch „Weltweiter Frauenkampftag“ bzw. „Feministischer Kampftag“ genannt. Er erinnert an die Errungenschaften von Frauen, aber auch an die andauernden Ungleichheiten und Herausforderungen in unserer Gesellschaft – von struktureller Diskriminierung über geschlechtsspezifische Gewalt bis hin zu starren Rollenbildern. Der Tag bietet Anlass, diese Themen im Unterricht zu beleuchten, Lernende zu sensibilisieren und gemeinsam Wege zu mehr Respekt, Gendergerechtigkeit und Diversität einzuschlagen.

Sieben Frauen stehen Arm in Arm mit dem Rücken zur Kamera.

© Clara Murcia auf Getty Images

Geschichte des Internationalen Frauentags

Der Internationale Frauentag hat seine Ursprünge in der Arbeiterinnen- und Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, als Frauen für bessere Arbeitsbedingungen, politische Mitbestimmung und das Wahlrecht kämpften. Nach Protesten von Arbeiterinnen in den USA wurde 1909 erstmals ein nationaler Frauentag begangen. Auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin beschlossen Delegierte der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Aktionstags. Der 8. März setzte sich später als festes Datum durch, unter anderem in Erinnerung an den Streik von Arbeiterinnen in Petrograd 1917, der die Russische Revolution mit auslöste. Seit 1977 wird der Internationale Frauentag von den Vereinten Nationen offiziell als Tag für Frauenrechte und Gleichberechtigung anerkannt.

Für den Unterricht eröffnet dieser Tag eine Chance: nicht nur Geschichte zu vermitteln, sondern auch darüber nachzudenken, wie Gleichberechtigung und Frauenrechte weiterhin erkämpft werden müssen.

Frauenrechte weltweit: Gewalt gegen Frauen, Femizide und Ungleichheit

Frauenrechte gehören zu den zentralen Menschenrechten: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Bildung, politische Teilhabe und wirtschaftliche Selbstbestimmung sind grundlegende Bausteine einer freien Gesellschaft. Doch trotz internationaler Abkommen und nationaler Gesetze ist Gewalt gegen Frauen weiterhin weit verbreitet – sie zählt global zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Die extremste Form dieser Gewalt sind Femizide, also Tötungen von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts: Laut einem aktuellen UN-Bericht sterben weltweit durchschnittlich etwa 137 Frauen und Mädchen täglich durch intime Partner oder Familienangehörige, was fast alle 10 Minuten einen Femizid bedeutet.

Im Unterricht können diese Themen in altersgerechter Form behandelt werden – etwa durch Materialien, die helfen, das Bewusstsein für Ungleichberechtigung zu schärfen und Diskussionen anzuregen.

Rollenbilder im Unterricht kritisch hinterfragen

Ein zentraler Aspekt der Gleichberechtigungsdebatte sind verfestigte Rollenbilder und Genderstereotype. Schon von klein auf wird Kindern das binäre System von „Frau“ und „Mann“ beigebracht, mit dem bestimmte Erwartungen an „typisch weiblich“ oder „typisch männlich“ einhergehen. Abweichungen von dieser „Norm“ bleiben bis heute in Medien unterrepräsentiert. Diese Zuschreibungen können die Lebenswege, Interessen und Selbstwahrnehmung junger Menschen beeinflussen, da sie nur wenig individuellen Gestaltungsspielraum ermöglichen.

Im Unterricht lässt sich dies exemplarisch thematisieren: Über Analysen von Medien, Alltagsbeispielen oder historischen Rollenbildern können Lernende hinterfragen, welche Bilder heute noch verbreitet sind, wie sie sich verändern und was es für eine diverse, inklusive Gesellschaft braucht.

Feminismus im Unterricht: Frauenbewegung und Gleichstellung vermitteln

Feminismus ist kein abstraktes Konzept, sondern eine lebendige, vielfältige Bewegung, die sich für die Gleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen und marginalisierten Geschlechtern einsetzt. Feministische Perspektiven lassen sich im Unterricht z. B. über Biografien einflussreicher Frauen, gesellschaftliche Entwicklungen oder Debatten über gleiche Rechte verankern.

Dabei ist wichtig, Feminismus nicht eindimensional, sondern als ein breites Feld unterschiedlicher Positionen und Diskurse zu vermitteln – von historischen Wellen der Frauenbewegung bis hin zu aktuellen Debatten über Intersektionalität und Vielfalt. Diese differenzierte Perspektive hilft, Brücken zu schlagen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und Schüler:innen dazu zu befähigen, aktuelle Missstände zu erkennen und zu bewerten.

Gleichberechtigung und Diversität fördern: Geschlechtliche Vielfalt anerkennen

Eine Hand hält einen Kreis bunter Papierfiguren in der Hand.

Ein moderner Unterricht zum Internationalen Frauentag sollte Diversität als grundlegenden Baustein integrieren. Geschlechtergerechtigkeit umfasst nicht nur die Gleichstellung von Frauen und Männern, sondern auch die Anerkennung und Wertschätzung geschlechtlicher Vielfalt. Themen wie Genderidentität, Intersektionalität und Inklusion erweitern den Blick über binäre Geschlechtermodelle hinaus und setzen einen Fokus auf die Lebensrealitäten aller Lernenden.

Indem Unterrichtsmaterialien unterschiedliche Perspektiven, etwa queer-feministische, antirassistische oder interkulturelle, einbeziehen, können Lehrkräfte eine respektvolle Lernumgebung schaffen.

Der 8. März ist mehr als ein alljährlicher Termin im Kalender, denn: Feministischer Kampftag ist jeden Tag. Er lädt ein, grundlegende gesellschaftliche Fragen zu stellen, Rollenbilder zu hinterfragen und gemeinsam über Wege zu mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit nachzudenken. Durch vielfältige Materialien und Methoden kann der Tag zu einem Ausgangspunkt werden – für die Auseinandersetzung mit Frauenrechten, gegen Gewalt, für Diversität und einem zeitgemäßen Feminismus. Bildung wird so zu einem Ort, an dem Respekt, Offenheit und kritisches Denken wachsen – für eine gerechtere Zukunft für alle.

Unterrichtsmaterialien zum Internationalen Frauenkampftag

Gerade im schulischen Kontext unterstützt eine didaktisch durchdachte Einführung in das Thema nicht nur das fachliche Lernen, sondern auch die Entwicklung von Empathie, kritischem Denken und sozialer Verantwortung. Diskutieren Sie im Unterricht mit Ihren Schüler:innen Fragen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Zukunftsgestaltung.

Die Autorin: Joanna Belde

Joanna Belde ist seit 2024 als Redakteurin im Bereich Sprachen von RAABE tätig. Sie entwickelt Print- und Digitalprodukte vornehmlich für die Fächer Französisch und Spanisch. Als Team Lead Content kümmert sie sich um die redaktionelle Weiterentwicklung der Verlagsprodukte und verfasst zudem Inhalte für Magazinartikel.

Quellen:

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/feministischer-kampftag-bedeutung-100.html

https://knowledge.unwomen.org/en/digital-library/publications/2025/11/femicides-in-2024-global-estimates-of-intimate-partner-family-member-femicides